Barstow Yard

Barstow Yard
Luftbild von Barstow mit den Gleisanlagen entlang
des meist trockenen Flussbettes des Mojave River
Daten
Betriebsstellenart Rangierbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Eröffnung 1913
Lage
Ort/Ortsteil Barstow
Bundesstaat Kalifornien
Staat Vereinigte Staaten
Koordinaten 34° 53′ 35″ N, 117° 4′ 29″ WKoordinaten: 34° 53′ 35″ N, 117° 4′ 29″ W
Liste der Bahnhöfe in den Vereinigten Staaten
i16i16i18

Der Barstow Yard ist ein Rangierbahnhof der BNSF Railway in Barstow, Kalifornien. Seine Anfänge gehen auf den Bau einer südlichen transkontinentalen Eisenbahnverbindung durch die Atchison, Topeka and Santa Fe Railway (AT&SF) zurück. Dazu musste Ende des 19. Jahrhunderts die Mojave-Wüste durchquert werden, wo an der Stelle das heutigen Barstow ein für den Verkehr aus dem Mittleren Westen wichtiger Abzweig nach San Francisco im Norden sowie nach Los Angeles und San Diego im Südwesten entstand. Die AT&SF baute die Bahnanlagen Anfang der 1970er Jahre zu einem großen Flachbahnhof mit 48 Richtungsgleisen aus, der sich heute oberhalb der Stadt über fast acht Kilometer entlang des Mojave River erstreckt. Im Jahr 1995 fusionierte die AT&SF mit der Burlington Northern Railroad (BN) zur Burlington Northern Santa Fe Railway (BNSF Railway), die 2019 rund 1000 Mitarbeiter auf den Anlagen beschäftigte.

Geschichte

Eisenbahnnetze in Südkalifornien ab den 1870er Jahren

Barstow Yard (Kalifornien)
Mojave
Mojave
Needles
Needles
Yuma
Yuma
Sacramento
Sacramento
San     Francisco
San     Francisco
Los Angeles
Los Angeles
San Diego
San Diego
  San Bernardino
  San Bernardino
AZ
The American Railway Page 431(Railways US 1870) California-1870.jpg
The American railway; its construction, development, management, and appliances (1889) (14761305365) California-1880.jpg
The American railway; its construction, development, management, and appliances (1889) (14574660339) California-1889.jpg


Ausdehnung der Eisenbahnnetze an der Westküste der Vereinigten Staaten 1870–1889 (Barstow Mediumblue circle.png)

Bis 1867 hatte die Southern Pacific Railroad (SP) den westlichen Teil der ersten transkontinentalen Eisenbahnverbindung zwischen San Francisco in Kalifornien und Omaha in Nebraska fertiggestellt und expandierte in den 1870er Jahren in den Süden Kaliforniens. Sie dehnte ihr Netz über Los Angeles bis nach Yuma am Colorado River in Arizona aus. Zudem baute sie eine Strecke von Mojave aus durch die gleichnamige Wüste bis nach Needles, das etwa 200 Kilometer nördlich von Yuma ebenfalls am Colorado liegt. Hier wurde die Atlantic and Pacific Railroad angeschlossen, die ostwärts bis nach Isleta in New Mexico verlief. Gleichzeitig entstand durch die California Southern Railroad eine Strecke von San Diego im Süden über San Bernardino bis zur Strecke der SP beim heutigen Barstow, etwa 100 Kilometer östlich von Mojave.[1] Die Verbindungsstelle hieß damals noch Waterman Junction, nach dem späteren Gouverneur von Kalifornien Robert Waterman, der hier eine Ranch hatte und in der Region mehrere Silberminen betrieb.[2][3] Die Atlantic and Pacific und die California Southern waren Tochtergesellschaften der Atchison, Topeka and Santa Fe Railway (AT&SF), die den Streckenabschnitt durch die Mojave-Wüste später von der SP erwarb;[4] die Waterman Junction wurde 1886 nach dem Präsident der AT&SF William Barstow Strong in Barstow umbenannt.[5]

Eisenbahnknotenpunkt Barstow Anfang des 20. Jahrhunderts

Netz der AT&SF von 1891, incl. Strecken­rechten bestand eine Verbindung von San Francisco bis Chicago (links Barstow Orange mark2.svg)

Die AT&SF konnte dadurch Ende des 19. Jahrhunderts ihr von Kansas (Atchison und Topeka) bis nach New Mexico (Albuquerque und Santa Fe) reichendes Netz zur Pazifikküste ausdehnen. Sie schuf damit nach der 1883 fertiggestellten Sunset Route der SP, die weiter südlich von Yuma aus über El Paso nach New Orleans verlief, eine weitere transkontinentale Eisenbahnverbindung im Süden der USA.[6] Durch seine Lage am Abzweig der Strecken nach San Francisco im Norden sowie nach Los Angeles und San Diego im Südwesten wurde Barstow Anfang des 20. Jahrhunderts neben Sacramento einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte Kaliforniens. Nach der Zerstörung der Bahnhofsgebäude durch einen Brand Ende 1909 errichtete die AT&SF im Zuge des Neubaus bis 1913 auch ein großes Bahnbetriebswerk mit einem Ringlokschuppen für 25 Dampflokomotiven und erweiterte die Gleisanlagen entlang des Mojave River zu einem großen Rangier- und Güterbahnhof.[7] In Nordkalifornien baute die SP ab 1906 etwa 25 Kilometer nordöstlich von Sacramento den Roseville Yard, der bis heute der größte Rangierbahnhof in Kalifornien ist.

Casa del Desierto der Fred Harvey Company 1913

Der mit 15 Jahren 1850 aus England emigrierte Cafe-Betreiber Fred Harvey musste während des Sezessionskriegs (1861–1865) seine Unternehmungen im Resaurangewerbe aufgeben und bekam in der Folgezeit Anstellungen bei verschiedenen Eisenbahngesellschaften. Dadurch reiste er viel entlang der neu entstandenen Strecken in den USA und war entsetzt über die schlechte Qualität der unterwegs angebotenen Speisen. Er erkannte den steigenden Bedarf an einer ordentlichen Versorgung der Fahrgäste und übernahm 1876 das erste Restaurant im Bahnhofsgebäude der AT&SF in Topeka sowie zwei Jahre später das Hotel und Restaurant in Florence (Kansas). Harvey legte besonderen Wert auf die hohe Qualität des Service und der Speisen und war so erfolgreich, dass er 1889 von der AT&SF einen Exklusivvertrag über den Betrieb aller Hotels und Restaurants entlang der AT&SF-Strecken westlich des Missouri Rivers erhielt. Die Eisenbahngesellschaft stellte die Räumlichkeiten und übernahm den Transport aller nötigen Güter für den Betrieb und Harvey war für die Ausstattung, die Speisen, das Personal und den Unterhalt verantwortlich. Die Fred Harvey Company wurde die erste Restaurant-Kette in den USA und 1893 übernahm sie auch den Betrieb in Bastow und eröffnete hier ein erstes Harvey House.[8]

Im Zuge des Neubaus der Bahnhofsgebäude in Bastow entstand bis 1913 mit dem Casa del Desierto auch ein neues großes Harvey House in einer Mischung aus spanischer Renaissance-Architektur und Neoklassizismus, das bis heute in seinem Originalzustand erhalten ist und 1975 ins National Register of Historic Places aufgenommen wurde (#75000458). Es dient heute hauptsächlich als Museum und Amtrak-Station.[9]

Mit dem Aufkommen von Diesellokomotiven in den 1930er Jahren baute die AT&SF in Barstow eine neue Wartungshalle für diesen Typ, die im Gegensatz zu den alten Ringlokschuppen mehrere parallele Stumpfgleise hatte. In den 1940er Jahren wurde hier die Hälfte aller Diesellokomotiven der AT&SF gewartet, darunter auch die EMD E-, FT- und F7-Serie, die für den Personenzug Super Chief zu Einsatz kamen.[10][11] Dieser verkehrte von 1937 bis 1971 über Barstow zwischen Chicago und Los Angeles, die Verbindung wird heute von Amtrak als Southwest Chief betrieben.

Ausbau und Modernisierung des Barstow Yard in den 1970er Jahren

Ostseite des Rangierbahnhofs Anfang der 1970er Jahre (Blick nach Ost)

Der Barstow Yard in seiner heutigen Ausdehnung entstand Anfang der 1970er Jahre. Die AT&SF investierte 50 Mio. US-Dollar in den Bau eines automatisierten Flachbahnhofs mit Ablaufberg.[12] Der neue Rangierbahnhof entstand westlich der alten Gleisanlagen, die heute als zusätzliche Nachordnungsgruppe den Ostteil des Rangierbahnhofs bilden. Das Betriebswerk wurde in diesem Zuge von der Ostseite an das Ende der Westseite verlegt; am alten Standort sind einige Stumpfgleise verlieben. Im Jahr 1995 fusionierte die AT&SF mit der Burlington Northern Railroad (BN) zur Burlington Northern Santa Fe Railway (BNSF Railway), die 2019 rund 1000 Mitarbeiter auf den Anlagen beschäftigte.[13] Der Barstow Yard ist neben dem Argentine Yard in der Metropolregion Kansas City (ehemals AT&SF) und dem Northtown Yard in Minneapolis (ehemals BN) einer der größten Rangierbahnhöfe im Netz der BNSF und nach dem J.R. Davis Yard der Union Pacific Railroad der zweitgrößte in Kalifornien.

Beschreibung

Der Barstow Yard erstreckt sich heute oberhalb der Stadt Barstow über fast acht Kilometer entlang des Mojave River und nimmt eine Fläche von etwa 240 Hektar ein. Dem Verkehrsfluss folgend gliedern sich die Gleisanlagen des Flachbahnhofs von West nach Ost in folgende Gleisgruppen: In die Einfahrgruppe (ca. 10 Gleise) im Westen werden die ankommenden Güterzüge eingeleitet. Die Linienlokomotiven (line-haul) werden hier durch Rangierlokomotiven (switcher) ersetzt, die die Züge zum Ablaufberg befördern und die Güterwagen in die ostwärts folgende Richtungsharfe (48 Gleise) im Zentrum abdrücken. Hier werden diese zu neuen Zuggruppen zusammengestellt, die später in die Nachordnungsgruppe (ca. 10 Gleise) im Ostteil befördert werden, deren Gleise zum Richtungswechsel zur Ausfahrgruppe (ca. 15 Gleise) oberhalb der Richtungsharfe dienen (Ausziehgleise). Vor der Ausfahrt übernehmen wieder Linienlokomotiven die endgültigen Züge, wobei meist mehrere Lokomotiven zu sogenannten consists kombiniert werden.[12][14]

Am Ende der Westseite befinden sich das Bahnbetriebswerk mit einer Wartungshalle für Diesellokomotiven (sechs durchgehende Gleise) und weiteren Anlagen zur Betankung und Reinigung sowie eine Wendeschleife. Weiterhin befinden sich zwischen Ablaufberg und Ausfahrgruppe noch eine Wartungshalle für Güterwagen (drei durchgehende Gleise) und mehrere Abstellgleise für Lokomotiven. Im Norden begrenzen mehrere stark befahrene Umfahrungsgleise das Areal (BNSF Cajon- und Mojave-Subdivision), die auch von Amtrak und der Union Pacific genutzt werden.

Luftverschmutzung durch Diesellokomotiven

Im Jahr 2006 passierten über 150.000 Diesellokomotiven den Barstow Yard, wovon nur etwa 54.000 auf dem Areal hielten oder für den Betrieb des Rangierbahnhofs zu Einsatz kamen. Nach einer Studie des California Air Resources Board (CARB) hatte der Barstow Yard dadurch 2006 mit 28 Tonnen die höchste Feinstaubbelastung aller kalifornischen Rangierbahnhöfe, welche durch den immensen Durchgangsverkehr noch über der des größeren J.R. Davis Yard der UP lag (25 Tonnen).[15] Mit der Verschärfung der staatlichen Vorgaben zur Luftreinhaltung in Kalifornien sah sich die BNSF gezwungen, ihre Flotte an Diesellokomotiven zu erneuern, und so entsprachen im Jahr 2012 schon 84 Prozent der über 6000 Lokomotiven den Emissions-Standards der Environmental Protection Agency Tier 0-3.[16] Mit Förderung des CARB und in Zusammenarbeit mit GE Transportation Systems, will die BNSF unter anderem auf einer Strecke zwischen Barstow und Stockton ab 2020 den Einsatz von Batterie-Elektrolokomotiven in Kombination mit herkömmlichen Diesellokomotiven untersuchen.[17][18]

Siehe auch

Weblinks

Commons: Barstow Yard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Richard V. Dodge: Perris and its Railroad. California Southern Railroad History, San Diego Railroad Museum, abgerufen am 2. Juli 2019.
  2. Robert Waterman 1887–1891. Governors of California, California State Library, abgerufen am 2. Juli 2019.
  3. Christine Toppenberg, Donald Atkinson: Barstow. Arcadia Publishing, 2015, ISBN 978-1-4396-5429-3, Chapter One (eBook ohne Seitenangabe).
  4. Walter Feller: The Southern Pacific and later Santa Fe transcontinental route. digital-desert.com, abgerufen am 2. Juli 2019.
  5. History. City of Barstow, abgerufen am 2. Juli 2019.
  6. Rudolph L. Daniels: Trains Across the Continent: North American Railroad History. 2. Auflage, Indiana University Press, 2000, ISBN 978-0-253-21411-9, S. 58–60.
  7. Santa Fe Yard Improvements at Barstow, California. In: Engineering Record, Building Record and Sanitary Engineer. Vol. 66, Nr. 21, 1912, S. 467.
  8. Arnold Berke: Mary Colter: Architect of the Southwest. Princeton Architectural Press, 2002, ISBN 978-1-56898-295-3, S. 39–45.
  9. Our History. Route 66 "Mother Road" Museum, abgerufen am 3. Juli 2019.
  10. Shops in Desert Keeps Diesel Giants Rolling. In: Popular Science. Vol. 151, Nr. 6, Dezember 1947, S. 148 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  11. Diesel Locomotives. In: Life. Vol. 22, Nr. 20, 19. Mai 1947, S. 61–67. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  12. a b Michael Rhodes: North American Railyards. Voyageur Press, 2014, ISBN 978-0-76034-609-9, S. 39–41.
  13. John Beyer: BNSF nears completion of Barstow facility. (Memento vom 14. April 2019 im Internet Archive) Daily Press, Victorville, 12. April 2019, abgerufen am 3. Juli 2019.
  14. Eugene Yang, Stephen Cutts, Hector Castaneda: Health Risk Assessment for the BNSF Railway Barstow Railyard. California Air Resources Board, Stationary Source Division, 9. Juni 2008, 31–35.
  15. Eugene Yang, Stephen Cutts, Hector Castaneda: Health Risk Assessment for the BNSF Railway Barstow Railyard. California Air Resources Board, Stationary Source Division, 9. Juni 2008, S. 6–13.
  16. Harry Stevens: Union Pacific Delivers Cargo Load of Innovation to Meet EPA Emissions Standards. TriplePundit, 18. Dezember 2012. Abgerufen am 4. Juli 2019.
  17. Stuart Chirls: BNSF awarded $22.6M grant for California clean tech yard program. Railway Age, 11. Oktober 2018, abgerufen am 4. Juli 2019.
  18. Evan Hoopfer: BNSF progresses on battery-electric locomotive. Dallas Business Journal, 12. September 2019, abgerufen am 9. Dezember 2019.